Stellungnahme des Arbeitskreises Provenienzforschung e.V. zur aktuellen Berichterstattung zur Provenienzforschung am Museum Georg Schäfer 

Berlin, 28. Januar 2020

Der Arbeitskreis Provenienzforschung e.V. ist der weltweit größte Zusammenschluss von professionellen Provenienzforscher*innen. Unsere über 330 Kolleg*innen arbeiten in verschiedenen öffentlichen und privaten Einrichtungen und erforschen die Herkunftsgeschichte von Kulturgütern. Hierbei steht insbesondere NSverfolgungsbedingt entzogenes, in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR enteignetes oder aus kolonialen Kontexten stammendes Kulturgut im Fokus.

Am 19. Dezember 2019 berichtete die Süddeutsche Zeitung über unser Mitglied Sibylle Ehringhaus. Ehringhaus, die 2016 ihre Tätigkeit am Museum Georg Schäfer in Schweinfurt aufnahm, hatte zunächst und vorrangig die dem Haus bereits vorliegenden Restitutionsforderungen überprüft und entsprechende Gutachten ausgearbeitet. Ende des Jahres 2019 lehnte sie nun eine Verlängerung ihres Arbeitsvertrags ab, da – wie sie sich u.a. in einem Süddeutsche Zeitung-Artikel äußerte – ihre Nachforschungen bisher ohne Konsequenzen geblieben seien.

Die 1997 gegründete Dr.-Georg-Schäfer-Stiftung lehnt Restitutionen unter Berufung auf ihre Satzung und mit dem Hinweis ab, dass sie als private Einrichtung nicht den 1998 von 44 Staaten und zahlreichen Institutionen beschlossenen Washington Principles unterliegt. Die Washingtoner Prinzipien halten in erster Linie öffentliche Einrichtungen und Kunstsammlungen dazu an, ihre Bestände auf NSverfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut hin zu überprüfen, Zugang zu den hierfür nötigen Informationen zu gewährleisten und zu ‚fairen und gerechten Lösungen‘ im Umgang mit belasteten Werken zu finden. Allerdings sind die Prinzipien nicht rechtlich bindend, sondern können die Einrichtungen streng genommen nur moralisch verpflichten. Im Gegensatz zu Österreich, das 1998 das „Kunstrückgabegesetz“ für die Bundeseinrichtungen verabschiedete, besitzt die Bundesrepublik bis heute kein explizites Restitutionsgesetz.

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Washington Principles rief Kulturstaatsministerin Monika Grütters im November 2018 auch Privatsammler*innen dazu auf, die Washingtoner Prinzipien anzuerkennen und in ihrem Sinne zu handeln. Erste private Stiftungen, wie etwa die Buchheim Stiftung in Bernried oder das Deutsche Optische Museum in Jena erklärten sich bei Annahme öffentlicher Fördergelder grundsätzlich zu Restitutionen bereit.

Im Interesse der Förderung und Anerkennung der wertvollen Forschungsarbeit unserer Mitglieder unterstützt der Arbeitskreis Provenienzforschung e.V diese Haltung ausdrücklich und appelliert ebenfalls an alle Einrichtungen – öffentlich wie auch privat –, gemäß der Washingtoner Prinzipien zu handeln.

Meike Hopp, Sven Haase, Christian Klösch, Carolin Lange und Johanna Poltermann Vorstand des Arbeitskreises Provenienzforschung e.V.

Die Stellungnahme gibt es auch als PDF 

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17. Dezember 2019  

Nachruf auf Beatrix Piezonka (1959-2019)

„Immer sind es die Menschen
Du weißt es
Ihr Herz ist ein kleiner Stern
Der die Erde beleuchtet“
(Rose Ausländer)

Seit fast zehn Jahre war Beatrix Piezonka uns Provenienzforscher*innen Kollegin, Mitstreiterin und Freundin. Sie studierte Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Mittlere und Neuere Geschichte sowie Ethnologie an der Hamburger Universität und wirkte u.a. am Museum für Hamburgische Geschichte, am Haus der Geschichte Baden-Württemberg, am Deutschen Historischen Institut in Paris, an der J. W. Goethe-Universität, Frankfurt/Main, an der Universität GH Siegen und am Historischen Museum Frankfurt/Main. Im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Tätigkeiten publizierte Beatrix Piezonka insbesondere zu Themen der Wirtschafts-, Frauensozial-, Arbeitergeschichte bevor sie zur Provenienzforschung kam.

Seit 2011 leitete sie die Projekte zur systematischen Provenienzforschung und Geschichte des Sammlungsbestands am Deutschen Ledermuseum Offenbach und im Kulturspeicher Würzburg, wobei sie größten Wert auf die adäquate Vermittlung der Forschungsergebnisse und unserer Arbeitsmethoden im Allgemeinen legte, wie auch ihre Ausstellung „Herkunft und Verdacht. Provenienzforschung am Museum im Kulturspeicher Würzburg. Die Zugangsjahre 1941 bis 1945“ und der dazu erschienene Katalog belegen.

Beatrix Piezonka war von Beginn an Mitglied der Arbeitsgruppe der Provenienzforscher*innen im Rhein-Main-Gebiet und gehörte 2014 zu den Gründungsmitgliedern des Arbeitskreis Provenienzforschung e.V. Nicht nur war sie eine überaus geschätzte Wissenschaftlerin und eine präzise wie scharfsinnige Rechercheurin, sie wusste die Freude an ihrer Aufgabe zu teilen und zu vermitteln. Ihre fröhliche Art wird uns fehlen.

Beatrix Piezonka ist am 24.10.2019 nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. In großer Dankbarkeit und tiefer Verbundenheit werden wir sie in Erinnerung behalten.

Heike Krokowski und Miriam Olivia Merz