Mission Statement

Der Arbeitskreis Provenienzforschung e.V. vernetzt weltweit WissenschaftlerInnen und ExpertInnen, die sich an öffentlichen und privaten bestandshaltenden Einrichtungen, im Kunsthandel, im akademischen Bereich oder freiberuflich der Erforschung der Herkunft von Kulturgütern widmen. Hierbei steht insbesondere NS-verfolgungsbedingt entzogenes, in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR enteignetes oder aus kolonialen Kontexten stammendes Kulturgut im Fokus. Vom 12. bis 14. November 2018 fanden sich in Berlin 177 von insgesamt 275 Mitgliedern des Arbeitskreises Provenienzforschung e.V. aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien und den USA zu einer Fachtagung mit Gästen und zur jährlichen Mitgliederversammlung zusammen, um über Grundlagen und Fortschritte ihrer Arbeit, aber auch über Probleme und Desiderate zu diskutieren.

Die Provenienzforschung ist 20 Jahre nach der Washingtoner Erklärung (1998) integraler Bestandteil der Arbeit an Museen, Bibliotheken, Archiven und am Kunstmarkt und dient neben der Identifizierung von sogenanntem Raubgut auch dem Erkenntnisgewinn zur Sammlungs- und Institutionengeschichte und dem Verständnis der Prozesse um Authentifizierung, (Wert-)Zuschreibung, Manifestation oder Aneignung dessen, was heute als Kulturgut definiert wird. Sie ist zudem längst Teil der universitären und außeruniversitären Forschung und Lehre; die Geschichtswissenschaften greifen in ihren Studien zum Holocaust ebenso auf Erkenntnisse der Provenienzrecherche zurück, wie auch die Kunstgeschichte/-soziologie vielfach Aspekte der Translokation und Geschmacksbildung verhandelt.

Der Arbeitskreis Provenienzforschung e.V. setzt sich vor diesem Hintergrund für eine Optimierung der Arbeitsbedingungen an öffentlichen und privaten Einrichtungen ein, an denen WissenschaftlerInnen überwiegend durch drittmittelfinanzierte Projekte und kurze Laufzeiten gebunden sind. Eine nachhaltige Dokumentation und somit Sicherung von Forschungsergebnissen ist deshalb nicht gewährleistet. Daneben appelliert der Verein an Bund, Länder und Kommunen, sich verstärkt für die Förderung von (auch digitalen) Forschungsinfrastrukturen einzusetzen. 

Eine zielführende Provenienzforschung kann nur auf der Grundlage einer adäquaten Erfassung und Erschließung der zu erforschenden Bestände garantiert sein. Gleichsam muss der in den letzten Jahren aus den interdisziplinären Kontexten generierte Wissenszuwachstransparent dokumentiert und vermittelt werden. Ziel ist die verstärkte Bündelung von Kernkompetenzen und Expertise. Der Arbeitskreis Provenienzforschung e.V. wird sich deshalb künftig verstärkt inhaltlich engagieren und Arbeitsgruppen, etwa zu Methoden, zu digitaler Provenienzforschung oder zur Erschließung exzeptioneller Quellengattungen etablieren. Den überaus vielfältigen Ansprüchen, die an ihre Arbeit gestellt werden, können die WissenschaftlerInnen langfristig nur im Rahmen nachhaltig verbesserter Arbeitsbedingungen und -strukturen gerecht werden.

Meike Hopp (Vorsitzende), Sven Haase, Christian Klösch, Carolin Lange und Johanna Poltermann
Vorstand des Arbeitskreises Provenienzforschung e.V., Berlin, den 25.11.2018