AG Judai­ca und All­tags­ge­gen­stän­de aus jüdi­schem Kontext

Seit eini­gen Jah­ren wird der Pro­ve­ni­enz­for­schung im Bereich von Judai­ca und All­tags­ge­gen­stän­den aus jüdi­schem Kon­text in diver­sen For­schungs­pro­jek­ten zuneh­men­de Auf­merk­sam­keit geschenkt.

Unse­re Arbeits­ge­mein­schaft hat sich im Dezem­ber 2019 in Göt­tin­gen mit dem Ziel gegrün­det, Kolleg*innen des AK ein fach­li­ches Aus­tausch­fo­rum für spe­zi­fi­sche Fra­gen zur Pro­ve­ni­enz­for­schung die­ser zwei Objekt­grup­pen zu bie­ten. Unter Judai­ca ver­ste­hen wir sowohl jüdi­sche Ritu­al- und Zere­mo­ni­al­ob­jek­te – wie Tora-Schmuck, ritu­el­le Tex­ti­li­en etc. – als auch Schrift­gut (Hand­schrif­ten; Biblio­the­ken; Archiv­gut). Auch bei All­tags­ge­gen­stän­den aus jüdi­schem Kon­text han­delt es sich frei­lich um eine hete­ro­ge­ne Objekt­grup­pe: Möbel­stü­cke, Bett­wä­sche, Klei­dung oder Spiel­zeug wur­de spä­tes­tens nach der Depor­ta­ti­on der recht­mä­ßi­gen Eigentümer*innen ver­äu­ßert und konn­te so auch in pri­va­ten Haus­hal­ten lan­den. Gezielt wol­len wir daher Forscher*innen ver­schie­de­ner Insti­tu­tio­nen und Berei­che (Muse­um, Gedenk­stät­te, Biblio­thek, Archiv) anspre­chen und in Aus­tausch mit­ein­an­der brin­gen. Es exis­tie­ren nach wie vor zahl­rei­che offe­ne For­schungs­fra­gen, die sowohl Judai­ca als auch All­tags­ge­gen­stän­de betref­fen. Dazu zäh­len bei­spiels­wei­se die so genann­te ‚Leih­haus­ak­ti­on‘ bezie­hungs­wei­se der natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Edel­me­tall­raub, das ‚Hol­land­gut‘ in Nord­west-Deutsch­land oder so genann­te ‚Juden­auk­tio­nen‘ im gesam­ten Reichs­ge­biet. Ins­be­son­de­re der offe­ne Aus­tausch über his­to­ri­sche Per­so­nen­netz­wer­ke (etwa Sammler*innen, Händler*innen, Expert*innen) und spe­zi­fi­sches Quel­len­ma­te­ri­al erscheint uns hier äußerst frucht­bar. Eine gro­ße Lücke besteht hin­sicht­lich jüdi­scher Ritu­al­ge­gen­stän­de, die vor allem im Zuge der Pogrom­nacht 1938 aus Syn­ago­gen und Jüdi­schen Muse­en geraubt wor­den sind. Über deren Ver­käu­fe an Muse­en und in Auk­tio­nen im Aus­land ist bis­her nur wenig bekannt. Eben­so wirft heu­ti­ge Umgang von Muse­en, Biblio­the­ken und Archi­ven mit Judai­ca und All­tags­ge­gen­stän­den aus jüdi­schem Kon­text mit unge­klär­ter oder belas­te­ter Pro­ve­ni­enz Fra­gen auf, denen sich die AG wid­met. Zu die­sen und wei­te­ren The­men tau­schen sich die Mit­glie­der unse­rer AG in Form eines Email­ver­tei­lers und in im jähr­li­chen Tur­nus statt­fin­den­den AG-Tref­fen aus (etwa in Form von kur­zen Vor­trä­gen; Work­shops; Gast­vor­trä­ge). Bei Inter­es­se an unse­rem Ver­tei­ler oder wenn Sie Mit­glied der AG wer­den möch­ten, schi­cken Sie bit­te eine Nach­richt an Dr. Anna Augus­tin (Email: augustin@​ghi-​dc.​org) oder Dr. Caro­lin Lan­ge (Email: carolin.​lange@​blfd.​bayern.​de)

Kon­takt: judaica@​arbeitskreis-​provenienzforschung.​org