Länder-Dossier Frankreich

NAZI LOOTED ART & PROVENANCE RESEARCH IN FRANCE

Zusammengestellt von Tessa Rosebrock und Jasmin Hartmann, 15. Dezember 2016

I. DER NS-KUNSTRAUB IN FRANKREICH

Exzerpt/Übersetzung von: Site Rose Valland, http://www.culture.gouv.fr/documentation/mnr/AH/en-pillage.htm (31.10.2016):

Am 1. September 1939 marschierten deutsche Truppen in Polen ein. Daraufhin erklärten die Verbündete Polens Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg. Am 28. September erfolgte der deutsche Angriff auf Warschau und die polnische Armee ergab sich am 5. Oktober. Am 9. April 1940 fiel die deutsche Wehrmacht in Dänemark ein, dann in Norwegen. Die Situation an der Westfront war zunächst von einer nahezu kampflosen Phase geprägt, die man auch als “Sitzkrieg” bezeichnet. Diese endete am 10. Mai 1940 mit der Offensive der deutschen Wehrmacht auf die Benelux-Staaten und Frankreich. Die Niederlande kapitulierten am 15. Mai, Belgien am 28. Mai. Am 14. Juni fielen die deutschen Truppen in Paris ein. Am 22. Juni 1940 begann mit dem Waffenstillstand die deutsche Besetzung Frankreichs.

Frankreich, die Niederlande und Belgien unterstanden bis 1944 einem deutschen Besatzungsregime. Nach dem Waffenstillstand wurde Frankreich entmilitarisiert und in zwei Zonen unterteilt: eine besetze Zone, die nördlich der Loire und entlang der Atlantikküste verlief, und eine unbesetzte Zone, in der die französische Regierung ihren Sitz im Kurort Vichy hatte (diese Unterteilung endete am 11. November 1942, als das deutsche Militär die ehemals “freie Zone” ebenfalls besetzte). Elsass und Lothringen wurden dem Deutschen Reich eingegliedert. Auf Forderung von Pétain trat die Assemblée nationale zusammen, um ein französisches Ermächtigungsgesetz zur Verfassungsänderung zu verabschieden, das ihm nahezu absolute Vollmachten einräumte. Der sogenannte “État français” löste die Dritte Republik ab.

Die besetzte Zone unterstand der deutschen Militärverwaltung, deren höchster Repräsentant der deutsche Militärbefehlshaber in Frankreich (MBF) mit Sitz in Paris war. Für alle politischen Angelegenheiten in der besetzten Zone sowie für die Beziehungen zur Vichy Regierung war jedoch die deutsche Botschaft verantwortlich. In diesem Kontext der Besetzung vollzog sich der NS-Kunstraub in Frankreich, in den viele der Akteure der Okkupationsmacht involviert waren, so die deutsche Botschaft und diejenigen, die im Auftrag von Rosenberg und Göring handelten. Hinzu kommen die Arisierungs- und Sequestrierungsmaßnahmen des Vichy-Regimes, welche maßgebliche Konsequenzen für den NS-Kunstraub in Frankreich hatten.

ALLGEMEINE KONTEXTE:

Zum Kunstraub in Frankreich während der Besatzungszeit:
http://www.culture.gouv.fr/documentation/mnr/AH/en-pillage.htm

Zu den Restitutionen nach 1945:
http://www.culture.gouv.fr/documentation/mnr/AH/en-resti.htm

Neue Lösungsansätze von 1990 bis heute:
http://www.culture.gouv.fr/documentation/mnr/AH/en-nlles.htm

 

Organisationen

1. Die deutsche Botschaft (1)

Exzerpt aus: Tessa Friederike Rosebrock, Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg. Museums- und Ausstellungspolitik im „Dritten Reich“ und in der unmittelbaren Nachkriegszeit, Berlin 2012, S. 118-119:

Direkt im Anschluss an den Einmarsch der deutschen Truppen in Frankreich ließ Otto Abetz (1903–1958), der von Außenminister Joachim von Ribbentrop eingesetzte neue deutsche Botschafter in Paris, Listen der wichtigsten jüdischen Privatkunstsammlungen der Stadt zusammenstellen. (2) Wie aus einem Schreiben Ribbentrops vom 3. August 1940 hervorgeht, in dem er dem Obersten Kommandanten der Wehrmacht Abetz’ Amtsantritt verkündet, geschah dies offiziell mit dem Ziel, die während der napoleonischen Kriege aus Deutschland geraubten Kunstwerke, die sich in französischem Staatsbesitz befanden (und die im Kümmel-Bericht aufgelistet wurden), aufzuspüren und nach Deutschland zurückzuführen. (3) Tatsächlich ignorierte Abetz bei den von ihm organisierten Konfiszierungen die Provenienz der Objekte und traf seine Auswahl ausschließlich nach Kriterien des künstlerischen Wertes. Auch die Frage nach staatlichem oder privatem Eigentum stellte er dabei nicht. (4) Bereits im Juli 1940 hatte er in Zusammenarbeit mit der Gestapo und der Geheimen Feldpolizei zahlreiche Kunstobjekte beschlagnahmen und in ein Nachbarhaus der deutschen Botschaft in der Rue de Lille bringen lassen, (5) darunter Besitztümer so bedeutender jüdischer Kunstsammler und -händler wie Edouard und Maurice Rothschild, Maurice Dreyfus, Raymond Lazare, Emile und Fernand Halphen, Paul Rosenberg, Jacques Seligmann, Georges Wildenstein und Josse Bernheim-Jeune. (6) Aus diesen zusammengetragenen Beständen wählte Abetz Kunstwerke zur Dekoration der Botschaftsräume aus, und Ribbentrop bestückte seine private Kunstsammlung in Berlin. Bei seinem Vorgehen geriet der Botschafter mit der Wehrmacht in Konflikt. Deren Abteilungen Kunstschutz, Bibliothekschutz und Archivschutz hielten sich an die „Verordnung über die Erhaltung von Kunstschätzen in besetzten Gebieten“, die am 15. Juli 1940 im Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers veröffentlicht worden war und sich auf die Haager Landkriegsordnung von 1907 stützte. (7) Eine Überführung von Staats- und Privatbesitz der besetzten Zone in den Besitz der Besatzungsmacht war gemäß dieser Verordnung verboten. Jede Entfernung oder Veränderung beweglicher Kunstwerke bedurfte der schriftlichen Einwilligung des Militärbefehlshabers. (8) Der Leiter der Abteilung Kunstschutz, Graf Wolff von Metternich, (9) stellte sich Abetz‘ Aktionen vielfach in den Weg. Er verweigerte ihm die Unterstützung seiner Mitarbeiter und meldete Regelverstöße des Botschafters gegen die genannten Erlasse an oberster Stelle. (10) Doch der Abtransport des jüdischen Kunstguts aus Frankreich war politisch erwünscht. Angesichts ihres Widerstands erging am 17. September 1940 ein ‚Führerbefehl‘ an die Wehrmacht, dass sie dem ERR bei seiner Arbeit jede mögliche Unterstützung zu gewähren habe und Rosenberg zudem ermächtigt sei, ihm wertvoll erscheinende Kulturgüter sicherzustellen und nach Deutschland zu überführen. (11) Damit waren die ehemaligen Kompetenzen der Wehrmacht im Bereich des Kunstschutzes unterlaufen. Infolge dieses ‚Führererlasses‘ gab Abetz am 28. Oktober 1940 gegenüber dem Militärbefehlshaber zu verstehen, dass auch die Beschlagnahme von Kunstgegenständen durch die Botschaft aufhöre und nur noch durch die Militärregierung oder auf schriftlichen ‚Führerbefehl‘ erfolgen würde. (12) Am 16. Oktober des Jahres überantwortete Hitler die Sicherstellung des Kunstbesitzes in Frankreich offiziell dem Goebbels unterstehenden Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und somit dem ERR. (13) Als Konsequenz musste das Auswärtige Amt sein Raubgut aushändigen. Die beschlagnahmten Kunstwerke wurden in ein Sammellager überführt, das sich in der ersten Zeit im Louvre und später im Musée de Jeu de Paume befand.

ONLINE-QUELLE:

Liste der von der deutschen Botschaft in Paris beschlagnahmten Kunstwerke findet sich (allerdings in unvollständiger Form) auf der Website www.fold3.com (Holocaust Collection, Suchbegriff: „Deutsche Botschaft Paris“)

 

2. Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg

Exzerpt aus: Rosebrock 2012, S. 119f.:

Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) war die einflussreichste aller nationalsozialistischen Rauborganisationen im besetzten Frankreich. Im „Kampf gegen das Judentum und Freimaurerei“ ursprünglich mit der Aufgabe betraut, „Dokumente, Urkunden und Unterlagen, die für den geistig-weltanschaulichen Kampf gegen die Ideologie des Westens notwendig sind“, einzuziehen, (14) übernahm er ab Oktober 1940 das Feld der Beschlagnahme jüdischen Kunstbesitzes beinahe in Alleinherrschaft. (15) Die Rivalität zu anderen Organisationen, vor allem aber mangelnde Finanzmittel und Transportmöglichkeiten, bewegten Rosenberg bald zu einer Allianz mit Hermann Göring. Der Reichsmarschall stellte dem ERR personelle und logistische Unterstützung durch die ihm unterstehende Luftwaffe zur Verfügung und erhielt im Gegenzug eine Teilhabe an den in Frankreich sichergestellten Kunstschätzen zur Ausstattung seiner privaten Kunstsammlung Karinhall. (16) Die Zusammenarbeit von Göring und Rosenberg im Bereich des Kunstraubs erwies sich für die Sache als sehr gewinnbringend, denn auch das ehemals als Konkurrent angesehene, Görings Weisungsrecht unterstehende Devisenschutzkommando übergab seine bei Beschlagnahmeaktionen erbeuteten Kunstschätze nun teilweise dem ERR. (17)

ONLINE-QUELLEN:

Website zum Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg:
http://www.errproject.org/jeudepaume/

Überblick von geraubten Sammlungen, recherchierbar nach Familiennamen: Patricia Kennedy-Grimsted (Reconstructing the Record of Nazi Cultural Plunder: A Survey of the Dispersed Archives of the Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR): http://errproject.org/guide/ERRguideINTRO_10.15.2015.pdf

Fotos der Raubkunstausstellungen im Jeu de Paume mit Werken des ERR:
http://www.culture.gouv.fr/documentation/mnr/MnR-jdp.htm

 

3. Das Devisenschutzkommando

Exzerpt aus: Rosebrock 2012, S. 120-122:

Das Devisenschutzkommando war beauftragt, den gesamten französischen Geschäfts- und Bankenverkehr im Interesse der Währungssicherheit zu kontrollieren und Verstöße gegen die Bestimmungen der Devisenschutzverordnung (etwa Handel mit nichtdeutschen Zahlungsmitteln oder Abtretung ausländischer Geldforderungen) zu verhindern. In diesem Sinne war die Organisation befugt, Durchsuchungen von Wohnungen und Banktresoren vorzunehmen und dort befindliche Wertgegenstände in Sicherheitsgewähr zu nehmen. (18) Ab 1941 öffneten sie private Banksafes und bargen Wertpapiere, Devisen, Schmuck und gelegentlich auch Kunstgegenstände. (19)

Die beschlagnahmten Kunstwerke wurden ins Jeu de Paume geschafft, wo sie der Sonderstab Bildende Kunst des ERR unter der Leitung Kurt von Behrs inventarisierte und anschließend in Kisten zum Abtransport nach Deutschland verpackte. Die Oberaufsicht über diese Transporte hatte der bereits erwähnte Kunsthistoriker Hermann Bunjes, der die Bestände oftmals für mögliche deutsche Interessenten vorsondierte, wobei er als offizieller Beauftragter des Reichsmarschalls besonders Göring bedachte. (20) Auch der promovierte Kunsthistoriker und ehemalige Kunsthändler Bruno Lohse sowie Walter Andreas Hofer arbeiteten in Görings Auftrag in Paris. Sie beobachteten den französischen Kunstmarkt und fungierten als Verbindungsmänner zum ERR. (21) Einige der beschlagnahmten Werke wurden sofort für Hitler reserviert und ausgesondert. Göring hingegen kam in regelmäßigen Abständen persönlich ins Jeu de Paume, um aus den verbleibenden Objekten auszuwählen. (22) „Insgesamt wurden dem Reich durch den ERR zwischen März 1941 und Juli 1944 203 Sammlungen von mehr als 20.000 Objekten, darunter 11.000 Bilder, zugeführt. Hitler erhielt aus diesen Beständen 53 Objekte, die in seine Sammlung integriert wurden und kein Tauschgut bildeten. Göring suchte sich 634 Werke aus. Einen Teil dieser Bilder gewährte Göring Hofer als Zahlungsmittel für bereits vorangegangene Tauschgeschäfte […].“ (23)

ALLGEMEINE LITERATUR ZUM NS-KUNSTRAUB IN FRANKREICH (AUSWAHL)

Rose Valland, Le Front de l‘Art. Défense des collections françaises 1939–1945, Paris 1961 [Neuauflage Paris 2014].

Wilhelm Treue, Zum Nationalsozialistischen Kunstraub in Frankreich. Der „Bargatzky-Bericht“, in: Vierteljahres-hefte für Zeitgeschichte, Heft 13 ( 1965), S. 285–299.

Lynn H. Nicholas, Der Raub der Europa. Das Schicksal europäischer Kunstwerke im Dritten Reich, München 1995 [zum französischen Kunstmarkt siehe S. 207 ff.]

Hector Feliciano, Das verlorene Museum. Vom Kunstraub der Nazis, Berlin 1998.

Jonathan Petropoulos, Kunstraub und Sammelwahn. Kunst und Politik im Dritten Reich, Berlin 1999.

Anja Heuß, Kunst- und Kulturraub. Eine vergleichende Studie zur Besatzungspolitik der Nationalsozialisten in Frankreich und in der Sowjetunion, Heidelberg 2000.

Caroline Piketty, Christophe Dubois, Fabrice Launay, Guide des recherches dans les archives des spoliations et des restitutions, Paris 2000 (online konsultierbar unter: http://www.culture.gouv.fr/documentation/mnr/Matteoli/RM-guide.pdf; Neuauflage in Vorbereitung).

Esther Tisa Francini, Anja Heuss, Georg Kreis, Fluchtgut – Raubgut: der Transfer von Kulturgütern in und über die Schweiz 1933–1945 und die Frage der Restitution, hg. v. Unabhängige Expertenkommission Schweiz Zweiter Weltkrieg, Zürich 2001.

Corinne Bouchoux, Rose Valland. La résistance au musée, Paris 2006.

Laurence Bertrand Dorléac, Art of the Defeat. France 1940–1944, Los Angeles 2009.

Tessa Friederike Rosebrock, Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg. Museums- und Ausstellungspolitik im „Dritten Reich“ und in der unmittelbaren Nachkriegszeit, Berlin 2012.

Jean-Marc Dreyfus, Pillages sur ordonnances. L‘impossosible réparation. Déportés, biens spoliés, or nazi, comptes bloqués, criminels de guerre, Paris 2015.

Emmanuelle Polack, „Ravalage“ at the Hotel Drouot or the Art of Obtaining a Clean Provenance for Works Stolen in France during the Second World War, in: Thone Hansen/Ana Maria Besciani (Hrsg.), Looters, Smugglers, and Collectors. Provenance Research and the Market, Köln 2015, S. 35-43.

Meike Hoffmann/Nicola Kuhn, Hitlers Kunsthändler. Hildebrand Gurlitt 1895–1956. Die Biographie, München 2016.

Speziell zur Möbelaktion: Sarah Gensburger, Images d‘un pillage. Album de la spoliation des juifs à Paris, 1940–1944, Paris 2010.

 

II. Rückführung von aus Frankreich ausgeführten Objekten und Wiedergutmachung nach 1945

1. L’Office des biens et intérêts privés (OBIP, 1919–1955) und die Commission de Récupération Artistique (CRA, 1944–31.12.1949) in Paris

Exzerpt aus: Rosebrock 2012, S. 240-243:

Das französische Pendant zur amerikanischen Roberts Commission und zum britischen MacMillan Committee war die Commission de Récupération Artistique (CRA). (24) Aufgrund der großen Masse an künstlerisch wertvollen Objekten, die gerade Frankreich während des Krieges entweder durch direkte Beschlagnahme oder durch Verkäufe im Kunsthandel verloren hatte, wurde dieses Organ ergänzend zu der bereits seit dem Ersten Weltkrieg bestehenden Organisation des Biens et Intérêts Privés (OBIP), die beim französischen Außenministerium angesiedelt war und sich um Reklamationen jedweder Art kümmerte, ins Leben gerufen. Die Anregung dazu stammte von dem bereits erwähnten Direktor der französischen Nationalmuseen und ab 1944 Leiter des französischen Erziehungsministeriums Jacques Jaujard. (25) Die Kommission hatte, vergleichbar mit den amerikanischen MFA&A Offizieren, exekutive Funktion. (26) Ihre Mitglieder sollten Informationen über Herkunft und Geschichte der in Frankreich vom Kriegsgegner konfiszierten Kunstwerke, historischen Erinnerungsstücke, Wertgegenstände, Archivalien und Bücher zusammentragen und außerdem die OBIP bei den real anfallenden, sich auf Kunstwerke beziehenden Restitutionsklagen entlasten. Im ministeriellen Gründungserlass vom 24. November 1944 werden die Aufgaben der Kommission wie folgt definiert:

„La Commission de récupération artistique ayant pour objet
1. D’étudier les problèmes posés par la récupération des œuvres d’art, souvenirs historiques, objets précieux, documents d’archives, livres et manuscrits enlevés par l’ennemi ou sous son contrôle au cours de l’occupation du territoire française.
2. De recueillir et de contrôler, en vue de cette récupération, les déclarations des intéressés et tous les éléments d’information sur les objets ainsi définis appartenant aux collectivités françaises ou à des ressortissants français.“ (27)

Zum Leiter der Kommission wurde Albert Henraux ernannt, Präsident des Freundeskreises des Louvres und Vize-Präsident des Zentralrats der französischen Staatsmuseen. Der Verwaltungschef war Michel Florisoone (1904– nach 1975?), der aufgrund langjähriger Beschäftigung beim Außenministerium Erfahrungen im interkulturellen Austausch mitbrachte und jetzt als Kustos am Louvre angestellt war. (28)

Rose Valland (1898–1980) (29) wurde als Sekretärin engagiert. Die Museumskonservatorin hatte trotz ihrer Zugehörigkeit zur französischen Résistance in ihrer politischen Einstellung unbemerkt während der gesamten Zeit der deutschen Besatzung im Pariser Musée de Jeu de Paume gearbeitet und dabei umfassende Kenntnisse über die Mechanismen der Einziehung französischen Kulturgutes durch den ERR erlangt. Da sie Deutsch sprach, hatte sie durch das Belauschen von Gesprächen vom Inhalt vieler Kunsttransporte und ihren Bestimmungsorten erfahren – Informationen, die sie über Jahre hinweg sorgfältig dokumentierte. Heimlich hatte sie Verzeichnisse der Kunstwerke aus den für Göring abgehaltenen privaten Raubkunstausstellungen erstellt und Abschriften von Inventaren angefertigt. Dieses Wissen half der Kommission nun bei der Wiederauffindung der nach Deutschland ausgeführten französischen Kulturgüter. (30) Um die Zerstörung französischer Kunstwerke, die nach Deutschland verbracht worden waren, durch Bombenbeschuss in der letzten Kriegsphase zu verhindern, informierte sie im Winter 1944 die Amerikaner über die geografische Lage der ihr bekannten Kunstdepots. (31) Sie wendete sich an James Joseph Rorimer (1905–1966) (32), einen der leitenden MFA&A-Kunstschutzoffiziere, der gerade in Paris stationiert war. Nach Ende des Krieges wurde er Direktor des Metropolitan Museums of Art in New York. In ihren Erinnerungen an die Kriegszeit berichten sowohl Valland als auch Rorimer eindrucksvoll von dieser wichtigen amerikanisch-französischen Kooperation zu Beginn ihrer beider Arbeit als Kunstschützer. (33) Valland erhielt für ihren Einsatz für Frankreichs Kulturwerte später zahlreiche Auszeichnungen. Die französische Regierung ernannte sie zum Offizier der Ehrenlegion und zum Commandeur des Arts et Lettres. Ferner erhielt sie die Auszeichnung der Résistance, die amerikanische Presidential Medal of Freedom und das deutsche Bundesverdienstkreuz. (34)

Die Doktrin der Commission de Récupération Artistique schrieb vor, dass jedes Kunstwerk, das Frankreich während der Kriegszeit verlassen hatte, in die Verantwortung der CRA übergeben und somit an Frankreich restituiert werden müsse. Für Kunstwerke, die als verloren galten, forderte die französische Regierung eine Entschädigung. Ankäufe, die durch Deutsche gemacht worden waren, mussten ebenfalls der CRA zurückgegeben werden, die sie verwahrte, bis der rechtmäßige Eigentümer ausfindig gemacht worden war.(35)

Die französischen Staatsbürger wurden durch die Presse und über das Radio aufgefordert, sich mit einer Aufstellung der ihnen während der Besatzungszeit abhanden gekommenen Werte und einer entsprechenden Umstandsschilderung entweder bei der OBIP oder, wenn es sich ausschließlich um Kunstgegenstände handelte, direkt bei der CRA zu melden. (36) Diese schriftlichen Reklamationen registrierte die Kommission und legte zu jedem einzelnen Fall eine Akte an, die erst nach Rückgabe des betreffenden Objekts an den Kläger geschlossen wurde. (37) Auf der Grundlage dieser Rückgabegesuche wurde ein Verzeichnis sämtlicher aus Frankreich geraubten Güter zusammengestellt, das „Répertoire des biens spoliés“. Seine zehnbändige Veröffentlichung erfolgte zwischen 1947 und 1949 durch das zentrale Restitutionsbüro des französischen Oberkommandos in Deutschland. Die Bände Nr. 2 und 3, welche die vermissten Kulturwerte verzeichnen, wurden an Museen und Galerien vor allem in Frankreich, Deutschland, Österreich und den Vereinigten Staaten verteilt, mit der Aufforderung, diese Objekte zurückzugeben. (38)

 

2. Die sog. Äußere Restitution

Exzerpt aus: Iris Lauterbach, Der Central Collecting Point in München, München 2015, S. 100ff:

Die Rückgabe der nach Frankreich der nach Deutschland verschleppten Kulturgüter in Frankreich wurde aufs engste mit der Forderung nach Reparation bzw. der „restitution in kind“ verknüpft. […] Aus französischen staatlichen und privaten Sammlungen sowie aus dem französischen und internationalen Kunsthandel in Frankreich stammten viele der für Göring und den „Sonderauftrag Linz“ bestimmten Werke, und nach Frankreich kehrten sie [größtenteils] über den Central Collecting Point München (CCP) zurück. Quantitativ stellten die französischen Fälle den weitaus größten Prozentsatz der von München aus abgewickelten Restitutionen dar […]. In Neuschwanstein und Buxheim wurden die durch den ERR in Paris verpackten Objekte zwar den den CCP registriert, aber nicht ausgepackt und in ihren originalen Transportkisten direkt nach Paris zurückgeschickt […]. Auch aus dem CCP Wiesbaden wurde nach Frankreich restituiert […].

 

3. Das Répertoire des biens spoliés en France durant la guerre (1939–1945)

Das Répertoire des biens spoliés ist ein Dokument, das zwischen 1947 und 1949 entstand. Seine Grundlage sind die Reklamationen der Bürger Frankreichs auf verlorene, konfiszierte oder unter Zwang abgegebene Objekte unterschiedlichster Gattungen (u.a. Möbel, Kunstwerke, Schmuck, Transportmittel, Industrielle Maschinen). Alle Objekte, die vor dem Publikationsdatum bereits restituiert wurden, sind nicht in diesen Bänden verzeichnet. Gleiches gilt für restituierte Werke nach 1949.

ONLINE-QUELLE:
Die Bände des Repertoire des biens spoliés sowie die Ergänzungsbände (nach Gattungen gegliedert) sind online konsultierbar: http://www.culture.gouv.fr/documentation/mnr/MnR-rbs.htm

 

4. Der MNR-Bestand

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Rahmen der Äußeren Restitutionen etwa 60.000 Kunstwerke vom deutschen an den französischen Staat übereignet, weil man gewisse Indizien (Dokumente, Beschriftungen etc.) fand, dass jene Werke während der Besatzungszeit von ehemaligen Deutschen Reich bzw. deutschen öffentlichen Einrichtungen in Frankreich erworben worden sind. Etwa 45.000 Werke konnten zügig an ihre ursprünglichen Eigentümern zurückgegeben werden, denen man jenes Eigentum NS-verfolgungsbedingt entzogen hatte. Von den restlichen 15.000 Objekten, deren Herkunft unklar war, wurden etwa 13.000 in den 1960er Jahren(?) auf dem französischen Kunstmarkt verkauft, während rund 2.000 Werke aufgrund ihres materiellen wie immateriellen Wertes in die Obhut der Nationalmuseen in Frankreich übergegangen sind, um die Provenienz weiter zu erforschen und sie in der Zwischenzeit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie bilden den so genannten MNR-Bestand (MNR= Musées Nationaux Récupération). Diese Werke befinden sich heute im Depot der Nationalmuseen oder sind als Dauerleihgabe in den Nationalmuseen in Frankreich zu sehen.

ONLINE-QUELLEN:

Allgemeine Informationen zum MNR-Bestand sowie die MNR-Objektdatenbank:
http://www.culture.gouv.fr/documentation/mnr/MnR-pres.htm

Beispiel: MNR-Objekte, die sich heute als Dauerleihgabe im Musée d’Angers befinden:
http://musees.angers.fr/collections/mnr/qu-est-ce-qu-un-mnr/index.html

 

LITERATUR zum MNR-Bestand:

Isabelle le Masne de Chermont/Didier Schulmann, Le Pillage de l’art pendant l’occupation et la situation des 2000 oeuvres confiées aus musées nationaux, Paris 2000.

Claude Lesné/Anne Roquebert, Catalogue des peintures MNR, Paris 2004.

L‘art victime de la guerre. Destin des oeuvres d‘art en Aquitaine pendant le Seconde guerre mondiale, sous la direction de Florence Saragoza (cat. Exp. Musée de la Ville de Bordeaux), Bordeaux 2012.

Isabelle le Masne de Chermont/Laurence Sigal-Klagsbald, A qui appartenaient ces tableaux ? Looking for owners, Exposition au Musée d‘Israel Jerusalem et Musée d‘Art et d‘Histoire du Judäisme, Paris 2008.

 

5. Die Mission Mattéoli (1997-2000)

Die Mission Mattéoli wurde ab 1997 dazu eingesetzt, eine Studie über die genauen Umstände des NS-Kunstraubs im besetzten Frankreich durchzuführen. Die Ergebnisse wurden in Berichten veröffentlicht. Der Kommission ist es zu verdanken, dass die wesentlichen Archive für die heutigen Recherchen zugänglich sind. Die Arbeit der Mission Mattéoli führte im September 1999 zur Einrichtung der CIVS und zum Aufbau der Datenbank des MNR-Bestandes.

ONLINE-QUELLE:

Die Berichte der Kommission Mattéoli sind online einsehbar:
http://www.culture.gouv.fr/documentation/mnr/MnR-matteoli.htm

 

ALLGEMEINE LITERATUR ZUR RÜCKFÜHRUNG VON AUS FRANKREICH AUSGEFÜHRTEN OBJEKTEN UND ZUR WIEDERGUTMACHUNG NACH 1945 (AUSWAHL)

Le petit journal, Oeuvres restituées par l’Allemagne, Musée d’Orsay 1994.

Bilder aus Frankreich. 28 Gemälde, Pastelle Aquarelle und Zeichnungen aufbewahrt in der Nationalgalerie,
Staatliche Museen zu Berlin, 1991. [Kunstwerke aus Frankreich, die in Magdeburg wiedergefunden wurden
und schliesslich, nach Depot in der Nationalgalerie Ost an Frankreich restituiert wurden]

Claude Lorentz, La France et les restitutions au lendemain de la Seconde guerre mondiale (1943-1954), Paris 1998.

Anja Heuß, Die Restitution von Kulturgütern in Deutschland 1945-1966, in: Eine Debatte ohne Ende? Raubkunst und Restitution im deutschsprachigen Raum, hg. v. Julius H. Schoeps u. Andrea-Dorothea Ludewig (Publikation des Moses Mendelsohn Zentrums für europäische Studien Potsdam), Berlin 2007, S. 15-34.

Isabelle le Masne de Chermont/Laurence Sigal-Klagsbald, A qui appartenaient ces tableaux ? Looking for owners, Exposition au Musée d‘Israel Jerusalem et Musée d‘Art et d‘Histoire du Judäisme, Paris 2008.

Isabelle Le Masne de Chermont/Laurence Sigal-Klagsbald, Restitution in Frankreich, in: Raub und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute (Ausst.-Kat. Jüdisches Museum Berlin/Jüdisches Museum Frankfurt a. M.), hg. v. Inka Bertz und Michael Dorrmann, Göttingen 2008, S. 273-278.

Corinne Bouchoux, „Si les tableaux pouvaient parler…“ Le traitement politique et médiatique des retours d‘oeuvres d‘art pillées et spoliés par les nazis (France 1945–2008), Rennes 2013.
(online konsultierbar: https://halshs.archives-ouvertes.fr/tel-00951875/document)

Tessa Friederike Rosebrock, Rückführung geborgener Kunstgüter im zweifach besetzten Baden – amerikanische und französische Besatzungszone im Vergleich, in: Bergung von Kulturgut im Nationalsozialismus. Mythen – Hintergründe – Auswirkungen, hg. v. Pia Schölnberger u. Sabine Loitfellner (Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung, Bd. 6), Wien/Köln/Weimar 2016, S. 287–306.

Thierry Bajou, Spoliations et restitutions d’oeuvres d’art: la réponse de la France (communication donné à l’Institut des hautes études internationales, Université de Panthéon-Assas au colloque “La France et la condition internationale des personnes”, 12 juin 2015). [noch nicht erschienen]

 

III. EINRICHTUNGEN, NS-VERFOLGUNGSBEDINGT ENTZOGENES KUNST- UND KULTURGUT IN FRANKREICH BETREFFEND (INTERESSEN DER OPFER, FORSCHER, ÖFFENTLICHEN EINRICHTUNGEN, ETC.)

Commission pour l’indemnisation des victimes de spoliations intervenues du fait des législations antisémites pendant l’Occupation / Kommission für die Entschädigung der Opfer von Enteignungen (CIVS)
Adresse: 66, rue de Bellechasse, 75007 Paris
Kontakt: http://www.civs.gouv.fr | T. +33-1-42 75 68 32 | Mail: renseignement@civs.gouv.fr
Dependance in Berlin: Französische Botschaft Berlin, Pariser Platz 5, 10117 Berlin, T. +49-30-59003 9806
http://www.ambafrance-de.org/CIVS-Entschadigung-antisemitischer

Ministère de la Culture et de la Communication
Adresse: 182 rue Saint-Honoré, 75001 Paris
Kontakt: http://www.culturecommunication.gouv.fr | http://www.culture.fr | T. +33-1-40 15 80 00

 

ARCHIVE

 

ALLGEMEINE LITERATUR ZU QUELLEN IN FRANZÖSISCHEN ARCHIVEN

Brigitte Blanc/Henri Rousso, Chantal de Toutier-Bonazzi, La seconde guerre mondiale. Guide des sources conserves en France. 1939–1945, hg. v. der Direction des Archives de France, Paris 1994.

Caroline Piketty/Christophe Dubois/ Fabrice Launay, Guide des recherches dans les archives des spoliations et des restitutions, Paris 2000 (online konsultierbar: http://www.culture.gouv.fr/documentation/mnr/Matteoli/RM-guide.pdf; Neuauflage in Vorbereitung)

Guide européen des sources d’archives sur la Shoah. Centre de Documentation Juive Contemporaine, Paris 1999.

Pierre-Jacques Derainne/Patrick Veglia, Les étrangers en France: Guide de sources des archives publiques et privées XIXe-XXe siècles, Paris, La Documentation française, 1999-2005.

Anne Liskenne, Jüdische Künstler als Opfer von Raub und Plünderungen während des Zweiten Weltkrieges. Welche Quellen gibt es?, in: Anne Grynberg und Johanna Linsler, Irreparabel. Lebenswege jüdischer Künstlerinnen, Künstler und Kunstkenner auf der Flucht aus dem „Dritten Reich“ in Frankreich, hg. v. der Koordinierungsstelle Magdeburg (Veröffentlichungen der Koordinierungsstelle Magdeburg, Bd. 9), bearb. v. Andrea Baresel-Brand, Magdeburg 2013, S. 93-120.

Link zur Website „Archive in Frankreich“: http://www.archivesdefrance.culture.gouv.fr/

Linkliste der CIVS der konsultierbaren Archivstellen: http://www.civs.gouv.fr/de/unser-netzwerk/die-archivstellen/

Archive in Frankreich


ARCHIVES NATIONALES

Kontakt:
http://www.archives-nationales.culture.gouv.fr/ | http://www.archives-nationales.culture.gouv.fr/formulaire-de-contact

Adresse:
Dépendance Paris: 11, rue des Quatre-Fils, 75003 Paris | +33-1-40 27 64 20
Dépendance Pierrefitte-sur-Seine: 59, rue Guynemer, 93380 Pierrefitte-sur-Seine | +33 -1-75 47 20 02

Praktische Informationen:
http://www.archives-nationales.culture.gouv.fr/fr/web/guest/infos-pratiques;jsessionid=A21A1832470CA2C5F5934F0058F2899F

Informationen zum Archivbestand:
https://www.siv.archives-nationales.culture.gouv.fr/siv/cms/content/display.action?uuid=accueilRechercheRootUuid&template=accueil/accueilRecherche; Literatur: Guide des Sources de la Seconde Guerre Mondiales, Archives Nationales (2), Paris 2005.

Ausgewählte Bestände:

AJ 38 (Commissariat Générale aux Questions Juives (1941–1944)
Von der Vichy-Regierung im März 1941 ins Leben gerufene Institution, die sich allgemein mit der „Judenfrage“ in Frankreich beschäftigte und Enteignungen vornahm (maßgeblich wichtig für Unternehmen oder Selbstständige, z.B. Kunsthändler).
Inventar des Bestands AJ38 in den Archives Nationales: https://www.siv.archives-nationales.culture.gouv.fr/siv/rechercheconsultation/consultation/pog/consultationPogN3.action?pogId=FRAN_POG_04&nopId=c614xe0b11a–1daw7vzbomvzq; Literatur: Archives Nationales, Inventaire des archives du Commissariat général aux questions juives et du service de restitution des biens des victimes des lois et mesures de spoliation, sous-série AJ38, Paris 1998.

Archives des Musées Nationaux
u.a. Ausfuhrgenehmigungen (Anfragen, Gutachten zu den Anträgen sowie Genehmigungen) von Kunstwerken aus Frankreich ins Deutsche Reich; Korrespondenz der französischen Nationalmuseen mit der Direction der Musées Nationaux

Archives de la direction de la Sûreté
Personenrecherchen
https://anrpaprika.hypotheses.org/1755
https://www.siv.archives-nationales.culture.gouv.fr/siv/cms/content/display.action?uuid=a0068444-744e-4365-aedb-8d5113c6802c&version=3&preview=false&typeSearch=&searchString=
Isabelle le Masne de Chermont, The Arthur Goldschmidt File in the Archive of the Direction de la Sureté: French Police Archives Shed Light on Paul Graupe & Cie (Paris, 1937–1939), in: Ines Rotermund-Reynard (Hrsg.), Echoes of exile, Berlin 2015, S. 76-84.

 

ARCHIVES DU MINISTÈRE DES AFFAIRES ETRANGÈRES (CENTRE DES ARCHIVES DIPLOMATIQUES DE LA COURNEUVE)

Adresse:
Centre des Archives diplomatiques | 3, rue Suzanne Masson | 93126 La Courneuve Cedex

Kontakt:
http://www.diplomatie.gouv.fr/fr/archives-diplomatiques
T. +33 -1-43 17 70 30 (salle de lecture) | +33 -1-43 17 70 36 (Permanence scientifique)
Mail: lecture.archives@diplomatie.gouv.fr

Praktische Informationen:
http://www.diplomatie.gouv.fr/fr/archives-diplomatiques/acceder-aux-centres-des-archives-diplomatiques/contacter-les-archives-diplomatiques/article/visiter-le-centre-de-la-courneuve

Informationen zum Archivbestand:
http://www.diplomatie.gouv.fr/fr/archives-diplomatiques/s-orienter-dans-les-fonds-et-collections/fonds-et-collections-d-archives/article/fonds-d-archives-lies-aux-suites

Ausgewählte Bestände:

Akten der französischen Behörden zur Rückgabe geraubter Kulturgüter (CRA / OBIP/Bureau central des Restitutions (in frz. Besatzungszone tätig) / Service de récuperation artistique (Berlin) / Service de remise en place des oeuvres d’art (Berlin)) [Bestand 209SUP]

Darunter 3500 Sachakten zu Privatpersonen (= Restitutionsgesuche nach dem Zweiten Weltkrieg, auf deren Grundlage das Répertoire des biens spoliés entstanden ist)
[Allgemeine Archivbestands-Website → pdf „CRA dossiers individuels“]

Akten zum Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg [Digitalisate vor Ort einsehbar]

 

ARCHIVES DE LA CAISSE DES DÉPÔTS ET CONSIGNATIONS

Adresse:
Service des archives – DJA231 | 15, quai Anatole France; 75356 Paris

Kontakt:
http://www.caissedesdepots.fr | Mail: SGA310-SGA340@caissedesdepots.fr (service des Archives)

Praktische Hinweise zur Archivbenutzung:
http://www.caissedesdepots.fr/archives-et-patrimoine

Informationen zum Archivbestand:
Pierre-Yves Aigrault, Les Archives de la spoliation à la Caisse des dépôts et consignations (http://www.cairn.info/revue-archives-juives-2002-2-page-128.htm)

 

ARCHIVES DE PARIS

Adresse:
18 boulevard Sérurier, 75019 Paris

Kontakt:
http://canadp-archivesenligne.paris.fr | T. +33-1-53 72 41 23 | Mail: dac.archives@paris.fr

Praktische Hinweise zur Archivbenutzung:
http://www.paris.fr/services-et-infos-pratiques/culture-et-patrimoine/archives/informations-pratiques-2381

Informationen zum Archivbestand:
Brigitte Lainé/ Philippe Grand/ Pascale Verdier, Archives de Paris 1939-1945. Guide de sources conservées aux Archives de Paris, sous la direction de Jean-Marie Jenn, Paris 1994.

Auswahl Bestände:

Archive von Auktionatoren, darunter Protokolle der in Paris stattgefundenen Auktionen (u.a. 1940–1944) Im französischen Versteigerungswesen werden die Protokolle der Auktionen nicht in den Archiven der Auktionshäuser, sondern als „Nachlass“ der Auktionatoren konserviert. Ein Großteil dieser Dokumente befindet sich in den Archives de Paris

Comité des profits illicites réalisés avec l‘ennemi (Dokumente im Zuge der Überprüfung durch den französischen Staat von diversen Personen, die Handel mit der deutschen Besatzungsmacht betrieben haben, u.a. Kunsthändler)

 

ARCHIVES DÉPARTEMENTALES

Informationen zu den Archivbeständen:
In den verschiedenen französischen Départements existierende Archive (Regionalarchive – Bestand vergleichbar etwa mit Landesarchiven): http://www.archivesdefrance.culture.gouv.fr/annuaire-services/departement/

Auswahl Bestände:
Beispiel Department 06: https://www.departement06.fr/archives-departementales/outils-de-recherche-et-archives-numerisees-2895.html#c10101

Datenbank zu Privatarchiven im VI. Departement, darunter der NL von Jean-Joseph Terris
Im Nachlass von Jean-Joseph Terris (Aktionator) finden sich Auktionsunterlagen aus den Jahren während der Besatzungszeit in Nizza (unbesetzte Zone), die von ihm als Commissaire priseur durchgeführt worden sind.
Link zur Datenbank: http://www.basesdocumentaires-cg06.fr/os-html/apri/home.html ( Stichwort “Terris”)
Allgemeine Informationen: https://www.departement06.fr/archives-departementales/outils-de-recherche-et-archives-numerisees-2895.html#c10101

 

ARCHIVES DU MÉMORIAL DE LA SHOAH

Adresse:
Shoah Documentation/Documentation Center, 17 rue Geoffroy l’Asnier, 75004 Paris

Kontakt:
http://www.memorialdelashoah.org | T. +33-1—42 77 44 72 | Mail: archives@memorialdelashoah.org

Praktische Informationen:
http://www.memorialdelashoah.org/en/archives-and-documentation/the-documentation-center/the-archives-department/researching-and-consulting-the-memorials-archives.html

Informationen zu den Archivbeständen:
http://www.memorialdelashoah.org/en/archives-and-documentation/what-is-the-shoah.html
http://www.memorialdelashoah.org/wp-content/uploads/2016/05/mshoah_inventaire_archives_fonds_fjro_fr.pdf

Auswahl Bestände:

Personenakten zu Deportierten:
http://bdi.memorialdelashoah.org/internet/jsp/core/MmsGlobalSearch.jsp?PEGA_HREF_1806213952_0_0_goToPersonSearch=goToPersonSearch

Dokumente zu Beschlagnahmung bestimmter Kunstsammlungen und Dokumente zu den Nürnberger Prozessen

Dokumente zu Alfred Rosenberg

 

Archive in Deutschland


BUNDESARCHIV KOBLENZ

Adresse:
Potsdamer Straße 1, 56075 Koblenz

Kontakt:
https://www.bundesarchiv.de | T. +49-261-505 383 (Archivfachlicher Dienst) | Mail: koblenz@bundesarchiv.de

Praktische Informationen:
https://www.bundesarchiv.de/benutzung/voraussetzungen/index.html.de

Informationen zu den Archivbeständen:
https://www.bundesarchiv.de/recherche/index.html.de

Auswahl Bestände:

Bestand B323 (Treuhandverwaltung von Kulturgut bei der Oberfinanzdirektion München): http://www.argus.bstu.bundesarchiv.de/B323-52029/index.htm?kid=f1a7114c-abe5-4518-9bfc-e67487e8f1a8

Fotos aus dem Bestand B323(→ Stichwort ERR):
http://www.bild.bundesarchiv.de/cross-search/search/_1471438480/

 

ARCHIV DES LANDSCHAFTSVERBANDES RHEINLAND

Adresse:
Auf der Insel (Zufahrt über die Von-Werth-Straße), 50259 Pulheim (Besucheradresse)
Ehrenfriedstr. 19, 50259 Pulheim (Postadresse)

Kontakt:
http://www.afz.lvr.de/de/archiv_des_lvr/archiv_des_lvr_1.html | T. +49-2234 9854-0

Informationen zu den Archivbeständen:
http://www.afz.lvr.de/de/archiv_des_lvr/aufgaben/aufgaben_1.html

Auswahl Bestände:

Nachlass Franz Graf Wolff Metternich

 

BIBLIOTHEKEN

 

BIBLIOTHÈQUE DE L‘ INSTITUT NATIONAL D‘HISTOIRE DE L’ART (INHA)

Adresse:
5, rue Vivienne, 75002 Paris

Kontakt:
http://bibliotheque.inha.fr | T. +33-1-47 03 76 23 (Sekretariat) +33-1-47 03 84 01 (Lesesaal) | Mail: info-bibliotheque@inha.fr

Praktische Informationen:
http://bibliotheque.inha.fr/iguana/www.main.cls?p=74469586-3948-11e2-a8f1-ac6f86effe00&v=9310cc24-8be2-11e2-8ea3-ac6f86effe00

Informationen zu den Beständen:
http://bibliotheque.inha.fr/iguana/www.main.cls?surl=Simplesearch

Auswahl Bestände:

Die Bibliothek des INHA verfügt über eine Vielzahl an Auktionskatalogen, die durch die Schenkung von Jacques Doucet Eingang in die Bibliothek gefunden haben, darunter Kataloge zu zahlreichen Auktionen des Hôtel Drouot sowie diverse andere Auktionskataloge. Ein Großteil ist mittelerweise digitalisiert: http://bibliotheque-numerique.inha.fr/collection/?est=doc_type.exact&esr=Catalogue+de+vente

 

BIBLIOTHÈQUE KANDINSKY

Adresse:
Centre Pompidou, Place Georges Pompidou, 75004 Paris

Kontakt:
http://bibliothequekandinsky.centrepompidou.fr/medias/medias.aspx?INSTANCE=INCIPIO | Mail: bibliotheque.kandinsky@centrepompidou.fr

Praktische Informationen:
http://bibliothequekandinsky.centrepompidou.fr/CDA/portal.aspx?SYNCMENU=ACCES&INSTANCE=incipio&PORTAL_ID=portal_model_instance__horaires.xml&PAGE=%2fstatique%2fPAGES%2facces.html&SETSKIN=INCIPIO

Informationen zu den Beständen:
http://bibliothequekandinsky.centrepompidou.fr/CDA/portal.aspx?SYNCMENU=HISTORIQUEDESCOLLETIONS&INSTANCE=incipio&PORTAL_ID=portal_model_instance__historique.xml&PAGE=%2fstatique%2fPAGES%2fcontacts.htm&SETSKIN=INCIPIO

Auswahl Bestände:

Literatur, Künstlerdokumentation und zahlreiche Archivquellen zum Kunstmarkt in Frankreich (insb. Klassische Moderne]

z.B. Nachlass der Galerie Charpentier (→ Online-Katalog, Stichwort: Charpentier)

 

BIBLIOTHÈQUE NATIONALE DE FRANCE

Adresse:
Quai François Mauriac, 75706 Paris

Kontakt:
http://bibliothequekandinsky.centrepompidou.fr/medias/medias.aspx?INSTANCE=INCIPIO | Mail: bibliographie.livres@bnf.fr

Praktische Informationen:
http://www.bnf.fr/fr/la_bnf/conditions_acces_tarifs/s.conditions_acces_bib_etude.html

Informationen zu den Beständen:
http://gallica.bnf.fr/ | http://archivesetmanuscrits.bnf.fr/

 

MUSEEN

 

MUSÉE DU LOUVRE

Adresse:
Musée du Louvre, 75058 Paris

Kontakt:
http://www.louvre.fr/en/homepage | T. + 33 (1) 40 20 50 50 | Mail: Gemälde, siehe Ansprechpartner unter praktische Informationen | cabinet-des-dessins@louvre.fr (Graphik)

Praktische Informationen:
http://www.louvre.fr/en/study-and-research-centers
Département des Peintures (Gemäldegalerie): http://www.louvre.fr/departments/peintures/organisation#tabs
Département des arts graphiques, documentation (Graphisches Kabinett): http://www.louvre.fr/departments/arts-graphiques/organisation#tabs

Auswahl Bestände:

Künstlerdokumentation/Fotosammlung

Sammlerdokumentation (im Archiv/Dokumentation der Graphischen Sammlung)

 

MUSÉE D’ORSAY

Adresse:
1 Rue de la Légion d’Honneur, 75007 Paris

Kontakt:
http://www.musee-orsay.fr/de/startseite.html?cHash=23f8ad1e47 | http://www.musee-orsay.fr/en/espace-professionnels/professionals/researchers/archive-centre.html | T. +33-1- | Mail: http://www.musee-orsay.fr/en/non-traduit/send-to-a-friend.html?print=1&tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.musee-orsay.fr%2Fen%2Fespace-professionnels%2Fprofessionals%2Fresearchers%2Farchive-centre.html%3FS%3D

Praktische Informationen:
http://www.musee-orsay.fr/de/besichtigung/willkommen.html

Informationen zu den Beständen:
http://www.musee-orsay.fr/en/espace-professionnels/professionals/researchers/archive-centre.html#c1871

Auswahl Bestände:

Künstlerdokumentation (KünstlerInnen, die nach 1820 geboren sind) / Nachlässe

Bibliothek: http://auroch.culture.fr/F?RN=928025153&local_base=bmn01 (Kollektivkatalog aller nationalen Museen in Frankreich)

 

IV. WEITERE QUELLEN

Datenbank zur Sammlung Adolphe Schloss
Link zur Datenbank: http://www.diplomatie.gouv.fr/fr/sites/archives_diplo/schloss/index.html

Datenbank “Les Marques de Collections de Dessins et d’Estampes”
Die Datenbank wird von der Fondation Custodia geführt und ist auf Forschung von Frits Lugt zurückzuführen. Grundlage der Datenbank sind identifizierte Sammlerstempel und –marken, die sich zumeist auf Graphischen Arbeiten finden lassen samt zugehörigen biographischen Informationen zum Sammler
Link zur Datenbank: http://www.marquesdecollections.fr/form.cfm?id=98F9C4BF-C392-15F9-1717316D478C258E
Allgemeine Informationen: http://www.fondationcustodia.fr/english/merkenboek/default.cfm?gr=menu2

Datenbank zu französischen Kunstausstattern/-anbietern
Datenbank mit Stempeln, Signets und Herstellerstempel von französischen Kunstausstattern/-anbietern. Hier ist die Suche nach Künstlernamen oder Fabrikantennamen möglich. Die Datenbank unterstützt bei der Deutung unbekannter Signets.
Link zur Datenbank: http://www.labreuche-fournisseurs-artistes-paris.fr/

Publikation zu versteigerten Objekten im Hôtel Drouot (Oktober 1940 bis Juni 1944)
„Les Ventes de Tableaux. Aquarelle, Gouaches, Dessins, Miniature a l’Hôtel Drouot. Repertoire et prix d’adjudication“
Link zu den Publikationen: http://katalog.ub.uni-heidelberg.de/cgi-bin/search.cgi?sess=86ed68c449881992ec0995cc4d7d4de3&query=ga:67253598

 

Anmerkungen

Die vollständigen bibliographischen Angaben der abgekürzten Literatur sind in den grauen Infofeldern vermerkt. Nur thematisch nicht unmittelbar relevante Publikationen oder Spezialliteratur (z.B. historische Aufsätze zur CRA) werden im Anmerkungsapparat vollständig ausgeschrieben.

(1) Zur Plünderung jüdischen Kunstbesitzes durch die deutsche Botschaft in Paris vgl. außerdem Nicholas 1995, 163–171; Heuss 2000, S. 297–303; Tisa Francini/Heuss/Kreis 2001, S. 280–282; Feliciano 1998, S. 36–38, Treue 1965, S. 285–299; Petropoulos 1999, S. 166–168 u. 174.
(2) Vgl. Tisa Francini/Heuss/Kreis 2001, S. 281.
(3) Heuss 2000, S. 298–299; zum Kümmel-Bericht vgl. Rosebrock 2012, S. 68, Anm.7; in Zusammenhang mit Abetz vgl. Feliciano 1998, S. 27–38; Nicholas 1995, S. 164–168.
(4) Vgl. Heuss 2000, S. 297–301.
(5) Vgl. Treue 1965, S. 298; Petropoulos 1999, S. 167; Le Masne de Chermont/Schulmann 2000, S. 18.
(6) Vgl. Tisa Francini/Heuss/Kreis 2001 S. 282; Heuss 2000 S. 298. Diesbezüglich relevantes Quellenmaterial in: PAAA Deutsche Botschaft Paris, AZ 2495: Verzeichnis der durch deutsche Behörden beschlagnahmten Kunstgegenstände aus jüdischem Besitz in Frankreich, o.J., Paris geheim 72/1 u. in: PAAA Deutsche Botschaft Paris, AZ 2490, Sonderband: Jüdischer Kunstbesitz, seine Sicherstellung, Paris geheim, 62/3.
(7) Zu ausgewählten Aspekten der Haager Landkriegsordnung vgl. Wilfried Fiedler, Kulturgüter als Kriegsbeute. Völkerrechtliche Probleme seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in: Das Geschäft mit der Raubkunst. Fakten, Thesen, Hintergründe, hg. v. Matthias Frehner, Zürich 1998, S. 87–96.
(8) Vgl. Treue 1965, S. 294; Nicholas 1995, S. 170.
(9) Zum Militärische Kunstschutz unter Graf Wolff von Metternich vgl. Liskenne 2013, S. 93-120, hier S. 108.)
(10) Beispielsweise am 13. August 1940, vgl. Nicholas 1995, S. 168.
(11) Vgl. Nicholas 1995, S. 170–171 sowie S. 96 dieser Arbeit.
(12) Vgl. Treue 1965, S. 299; Petropoulos zitiert diese Äußerung aus einem Brief des Botschafters an die Militärregierung vom 28. Oktober 1940, der im Bundesarchiv Koblenz archiviert ist. Vgl. Petropoulos 1999, S. 174.
(13) Vgl. Heuss 2000, S. 303.
(14) Ursprüngliche Definition der Aufgaben des ERR bei Treue 1965, S. 301ff.; zum tatsächlichen Vorgehen vgl. Heuss 2000, S. 102–118.
(15) Vgl. Tisa Francini/Heuss/Kreis 2001, S. 283.
(16) Vgl. Petropoulos 1999, S. 171–173; Heuss 2000, S. 86. Zu Görings Kunstsammlung vgl. Ilse von zur Mühlen, Die Kunstsammlung Hermann Görings. Ein Provenienzbericht der Staatlichen Bayerischen Gemäldesammlungen, München 2004; Heuss 2000, S. 73–93; Günther Haase, Die Kunstsammlung des Reichsmarschalls Hermann Göring: eine Dokumentation, Berlin 2002; Nancy Yeide, Beyond the dreams of avarice. The Hermann Goering Collection, Dallas 2009.
(17) Vgl. Heuss 2000, S. 87 u. 112; Tisa Francini/Heuss/Kreis 2001, S. 283.
(18) Aufgaben des Devisenschutzkommandos sowie Inhalt der Ersten und Zweiten vorläufigen Devisenverordnung vom 10. Mai und 14. August 1940 bei Treue 1965, S. 299–301.
(19) Begründet wurden diese Konfiszierungen damit, dass die Besatzer befürchteten, diese Gegenstände könnten infolge der Flucht ihrer Eigentümer ins feindliche Ausland gebracht werden. Vgl. Treue 1965, S. 300.
(20) Zu Bunjes vgl. Nikola Doll, „Die ‚Rhineland-Gang“: Ein Netzwerk kunsthistorischer Forschung im Kontext des Kunst- und Kulturraubs in Westeuropa, in: Museen im Zwielicht. Ankaufspolitik 1933-1045 (Kolloquium vom 11. und 21. Dezember 2001 in Köln) die eigene Geschichte. Provenienzforschung an deutschen Kunstmuseen im internationalen Vergleich (Tagung vom 22. bis 22. Februar in Hamburg), hg. v. Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste, Magdeburg 2002, S. 68–69.
(21) Vgl. Heuss 2000, S. 79–87; Feliciano 1998, S. 38–43.
(22) Einem häufig zitierten Befehl vom 5. November 1940 zufolge war die Reihenfolge bei der Verteilung der Kunstwerke folgendermaßen festgelegt: Hitler hatte die erste Wahl, anschließend durfte Göring auswählen und als Dritter Rosenberg. Der restliche qualitätvolle Bestand sollte zur musealen Verwertung nach Deutschland geschafft werden. Kunstwerke, die diesem Anspruch nicht genügten, wurden verkauft oder getauscht. Vgl. Petropoulos 1999, S. 175; Originaler Wortlaut des Befehls und detaillierte Erläuterung bei Heuss 2000, S. 85ff.
(23) Tisa Francini/Heuss/Kreis 2001, S. 283; Analyse der Beschlagnahmelisten des ERR in Bezug auf die jüdische Bevölkerung Frankreichs (Zahlen, Namen, soziale Stellung der Geschädigten, Verteilung der Enteigneten auf Stadtbezirke etc.) bei Le Masne de Chermont/Schulmann 2000, S. 21–24.
(24) Zur CRA existiert vergleichsweise wenig Forschungsliteratur. Grundlegend sind (neben einer zeitgenössischen Organisationsskizze des damaligen Verwaltungschefs der CRA, Michel Florisoone) die Forschungen von Marie Hamon und Claude Lorentz, auf die sich alle späteren Erwähnungen inhaltlich beziehen. Vgl. Florisoone, Michel, La Commission de récupération artistique, in : Museion 1946, Nr. I-II, Bd. 55-56, S. 67–73; Marie Hamon, La récupération des œuvres d’art spoliées 1944–1993, Paris 1993 (Typoskript, unveröffentlicht, einsehbar im Ministère des Affaires étrangères, Archives et Documentation); Dies. Spoliation and Recovery of Cultural Property in France 1940-1994, in: The Spoils of War. World War II and It’s Aftermath : The Loss, Reappearance and Recovery of Cultural Property, hg. V. Elizabeth Simpson, New York 1997, S. 63–66; Lorentz 1998, S. 225–240. Als wichtige nachfolgende Publikationen sind zu nennen: Le Masne de Chermont/Schulmann 2000, S. 33ff. u. Le Masne de Chermont/Sigal-Klagsbald 2008, S. 23–41; Dies. Restitution in Frankreich, 2008, S. 273–278; Adeline Cacan de Bissy, La Commission de récupération artistique, in: Pillages et restitutions. Le destin des œuvres d’art sorties de France pendant la Seconde Guerre Mondiale (Actes du colloque organisé par la Direction des musées de France le 17 novembre 1996 à l’amphithéâtre Rohan de l’école du Louvre), Paris 1997, S. 101–105.
(25) Vgl. Lorentz 1998, S. 225; Hamon, 1993, S. 5–6.
(26) Vgl. Florisoone 1946, S. 67.
(27) Arrêté ministériel du 24 novembre 1944, Art. 1er, zit. n. Florisoone 1946, S. 68.
(28) Vgl. Le Masne de Chermont/Sigal-Klagsbald 2008, S. 27; Lorentz 1998, S. 226.
(29) Eigentlich Rosa Antonia Valland, geb. in Saint-Etienne-de-Saint-Geoirs am 1. November 1898; gest. in Ris-Orangis, am 18. September 1980.
(30) Die Spionagetätigkeit Rose Vallands im Jeu de Paume während der deutschen Besatzung ist vor allem durch ihre eigenen Aufzeichnungen dokumentiert. Vgl. Valland 1997 (1961); außerdem Bouchoux 2006; Le Masne de Chermont/Sigal-Klagsbald 2008, S. 27; Lorentz 1998, S. 229–230; Hamon 1997, S. 63. 2009/2010 würdigte das Centre d’Histoire de la Résistance et de la Déportation Lyon die französischen Nationalheldin mit einer Ausstellung unter dem Titel: La Dame du Jeu de Paume. Rose Valland sur le Front de l’Art (3.12. 2009–2.5.2010).
(31) Vgl. Edith Standen, Introduction. The Immediate Postwar Periode 1945–1951, in: The Spoils of War. World War II and Its Aftermath. The Loss, Reappearance and Recovery of Cultural Property, hg. v. Elizabeth Simpson, New York 1997, S. 122.
(32) Zu Rorimer vgl. http://www.dictionaryofarthistorians.org/rorimerj.htm (zuletzt eingesehen am 17. April 2011); Christhard Schrenk, Schatzkammer Salzbergwerk. Kulturgüter überdauern in Heilbronn und Kochendorf den zweiten Weltkrieg, Heilbronn 1997, S. 57–59.
(33) Vgl. James Joseph Rorimer, Survival. The Salvage and Protection of Art in War, New York 1950, S. 108–115; Valland 1997, S. 218–220.
(34) Vgl. Walter I. Farmer: Die Bewahrer des Erbes. Das Schicksal deutscher Kulturgüter am Ende des Zweiten Weltkrieges (Schriften zum Kulturgüterschutz), hg. v. Wilfried Fiedler, Erik Jayme u. Kurt Siehr, Berlin 2002, S. 94.
(35) Vgl. Florisoone 1946, S. 71–72: 1. „Toute œuvre d’art dont la provenance française est certaine doit être renvoyée en France et placée sous la responsabilité de la C.R.A., en attendant sa restitution aux propriétaires en accord avec les Ministères intéressés. 2. Pour les œuvres dont la perte aura été constatée, la France demande l’adoption du principe équivalence selon la valeur totale des pertes. 3. Les œuvres vendues librement aux Allemands devront faire retour à la C.R.A. qui les gardera comme séquestre jusqu’à ce qu’une décision intérieure française intervienne. 4. Les frais de retour ne pourront incomber aux propriétaires au moins jusqu’à l’entrepot des œuvres du Musée de Jeu de Paume, lieu officiel de rassemblement à Paris.“
(36) Exemplarische Darstellung der administrativen Abwicklung einer Restitutionsklage durch die CRA bei Hamon 1993, S. 9–10; Florisoone 1946, S. 72.
(37) Vgl. Lorentz 1998, S. 227.
(38) Vgl. Corinne Hershkovitch, Offene Rechnungen. Die Restitution von Kunstwerken in Frankreich, in: Osteuropa. Kunst im Konflikt. Kriegsfolgen und Kooperationsfelder in Europa, Jg. 56, Heft 1–2/2006, S. 443; Le Masne de Chermont/Schulman 2000, S. 35–36.

 

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